Gründungsversammlung, Ansprache von Kirsten Stremlau

Ansprache von Kirsten Stremlau,
1. Vositzende Förderverein Ehrenamt e.V., Schwentinental

Liebe Anwesende,

bestimmt haben Sie sich, als Sie die Einladung erhalten haben, gefragt: Migrationsnetzwerk Schwentinental? Was soll denn das sein? Noch ein neuer Verein? Wozu ist das gut? Wie soll mich das unterstützen und warum sollte ich mich dem anschließen??

Nein, wir wollen heute Abend keinen neuen Verein gründen. Da kann ich Sie beruhigen.

Sie alle, Verwaltung, Behörden, Politik, Kirche und allen voran die Ehrenamtler haben in den letzten Monaten unglaublich viel geleistet, um den Flüchtlingen, die zu uns gekommen sind, das Ankommen zu erleichtern. Sie haben Ihnen Wohnungen oder zumindest ordentliche Unterkünfte besorgt, sie mit Informationen versorgt und sich um ihre Sorgen und Probleme gekümmert. Sie haben sich als Sprachpaten zur Verfügung gestellt und weit mehr als die deutsche Sprache vermittelt, nämlich Freundschaft und Mitgefühl. Mit der Kleiderkammer, Fahrten zur Preetzer Tafel, offenen Armen bei den Sportvereinen, der Feuerwehr, der Bücherei und vielen anderen Aktivitäten, wie zum Beispiel Festen und Veranstaltungen haben Sie den bei uns Angekommenen gezeigt, dass sie willkommen sind und nicht allein dastehen. Das war großartig.

Dafür möchte Ihnen meinen höchsten Respekt zollen. Ich bewundere zutiefst, was sie alle für die Integration der Flüchtlinge in unserer Stadt bereits geleistet haben und noch zu leisten bereit sind. 

Wir als Förderverein Ehrenamt haben uns angesichts dieser beeindruckenden Leistung gefragt, wir wir sie bei dieser großen Aufgabe am besten unterstützen können. Schnell war uns klar, dass es nur mit finanzieller Unterstützung nicht getan ist und wir einen anderen Ansatz wählen müssen.

Wir haben uns daher zunächst gefragt, was bedeutet Integration eigentlich?

Und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass Integration aus unserer Sicht bedeutet, dass ein Mensch hier bei uns selbstbestimmt und in Würde leben kann.

Dazu gehören eine angemessene Unterbringung, die Beherrschung der deutschen Sprache, die Möglichkeit, selbst für den Lebensunterhalt sorgen zu können, also Arbeit oder Ausbildung, die Integration in die Gesellschaft, Freunde und Bekannte und das Kennen und Akzeptieren unserer Gesetze, Regeln und Gewohnheiten.

Integriert ist jemand, wenn er nicht mehr als fremd oder gar als Belastung wahrgenommen wird. Das muss unser Ziel sein.

Schnell war uns klar, dass dies keine einzelne Organisation allein leisten kann.

Bei so einer großen und umfassenden Aufgabe ist eine temporäre enge Vernetzung aller Akteure, eine übergreifende Zusammenarbeit, ein regelmäßiger Austausch und ein abgestimmtes Vorgehen unbedingt erforderlich.

Nur zusammen können wir Lösungen für die anstehenden Probleme finden. Und zusammen schaffen wir das auch!

Wir als Förderverein Ehrenamt haben uns daher gemeinsam mit dem Ehrenamtsbüro Schwentinental entschlossen, dieser Zusammenarbeit eine Grundlage und eine Struktur zu geben.

Die Integration von Flüchtlingen in Schwentinental ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir mit der Gründung dieses „Migrationsnetzwerk Schwentinental“ auf breiter gesellschaftlicher Basis begegnen möchten.

Wir würden uns freuen, in diesem Netzwerk alle gesellschaftlich relevanten Organisationen, wie das Ehrenamt mit seinen Vereinen und Verbänden, die Stadt, Politik, Behörden, die Wirtschaft, aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen zu bringen mit dem Ziel, die Integration unserer Flüchtlinge zügig, umfassend und nachhaltig zu erreichen.

Dieses Netzwerk ist also kein neuer Verein, sondern eine Absichtserklärung – oder verbindlicher gesagt, ein Versprechen, dass wir uns gegenseitig geben.

Alle Netzwerkmitglieder versprechen sich, sich gegenseitig bei dieser großen Aufgabe, der zügigen und vollständigen Integration unserer Flüchtlinge, zu unterstützen und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten.

Nach der Aufnahme und Versorgung der Flüchtlinge geht es jetzt darum, dauerhafte und tragfähige Perspektiven zu schaffen.

Jeder, der bleiben will und darf, muss die Möglichkeit haben, zu einem Teil unserer Gesellschaft zu werden. Wir wollen unsere Flüchtlinge dabei umfassend unterstützen, erwarten aber auch von ihnen, dass sie diesen Weg gemeinsam mit uns uns gehen und sich ihrerseits aktiv um ihre Integration bemühen.

Denn Integration ist keine Einbahnstraße.

Die konkrete Einbeziehung „unserer“ Flüchtlinge in die Integrationsarbeit soll auch ein Signal sein, dass auch die Flüchtlinge sich aktiv um ihre Integration bemühen müssen. Unser Ziel ist es miteinander zu leben, nicht nebeneinander.

Was haben wir nun vor?

Das Migrationsnetzwerk Schwentinental, das wir heute hier gründen möchten, ist ein freiwilliger, temporärer Zusammenschluss aller an der Integration beteiligen Organisationen mit dem alleinigen Zweck und Ziel, die Flüchtlinge in unserer Stadt zügig und nachhaltig zu integrieren.

Winston Churchill hat einmal gesagt: „Es ist sinnlos zu sagen: Wir tun unser Bestes. Es muss dir gelingen, das zu tun, was erforderlich ist.“

Daher bilden wir zunächst vier Arbeitsgruppen, die sich später noch einmal ausführlicher vorstellen werden. Diese Arbeitsgruppen werden sich intensiv mit den Themen Sprache, Gesellschaft und Kultur, Gesundheit und Sport, Schule, Ausbildung und Arbeit sowie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigen.

Sie werden die vorhandenen Angebote sichten und weiterentwickeln, wo das notwendig ist, sie werden Konzepte entwickeln und neue Projekte ins Leben rufen. Und sie werden die Zusammenarbeit der beteiligten Akteure intensivieren. Diese Arbeitsgruppen stehen allen offen.

Das heißt, dass nicht nur die Anwesenden sich an ihnen beteiligen dürfen und sollen, sondern auch weitere Vereinsmitglieder und vor allem auch interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich bisher noch nicht ehrenamtlich engagiert haben oder in Bereichen, die mit Flüchtlingen nichts zu tun haben.

Wir hoffen, über diese Projektarbeit neue Menschen mittelfristig fürs Ehrenamt zu gewinnen oder zumindest das Projekt auf eine breite gesellschaftliche Basis zu stellen.

Der Austausch von Erfahrungen und das Einbringen von individuellen Kompetenzen werden den Erfolg dieser Arbeitsgruppen entscheidend beeinflussen. Ich finde, dass es schon jetzt ein schöner Effekt ist, dass wir über den Flüchtlingsstrom wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen. Wir teilen uns unsere Sorgen, Ängste, aber auch vielen positiven Erlebnisse mit.

Man staunt, was in Deutschland doch alles möglich ist. Schnell werden effektive und unbürokratische Lösungen gesucht und gefunden.

Auch hier in Schwentinental ist es gelungen, binnen weniger Wochen und Monate Hilfsangebote aufzubauen und einzurichten. Dies gilt es nun fortzusetzen.

Kommunikation ist in dieser Zeit das Wichtigste. Wir werden uns deshalb in einem Arbeitskreis auch intensiv mit dem Thema Kommunikation auseinandersetzen. Wir werden Meinungen aufgreifen und schauen, ob es sich um Vorurteile handelt oder ob eine intensive und konstruktive Auseinandersetzung erforderlich ist und diese dann ggf. auch anstoßen.

Es gibt viel zu tun und ich freue mich, dass wir heute Abend einen weiteren großen Schritt gehen.

Wir können es gemeinsam schaffen und wo sollte gelingen, wenn nicht hier, in dieser so großartig engagierten Stadt! 

Also: Machen Sie mit! Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit!